Die Eröffnung des 2. Operativen Vorgangs “ZWIEBEL” durch das MfS in Dresden

Nach meiner Flucht im Juli 1971 erfuhr das MfS sehr schnell über IM’s in der Bundesrepublik, dass ich die DDR “illegal” verlassen hatte - so der offizielle Terminus der DDR.
Das Wort Flucht war verpönt und im DDR-Sprachgebrauch nicht zulässig, denn warum sollte jemand den ersten Arbeiter-und-Bauern-Staat auf deutschem Boden durch Flucht verlassen wollen? Das konnten nur Feinde der DDR sein und wollen.
Günter Knoblauch - Ein IM aus dem Operationsgebiet BRD berichtet an das MfS
Günter Knoblauch - Ein IM aus dem Operationsgebiet BRD berichtet an das MfS

Wie arbeitete das Mfs ?

Hier ein Beispiel für einen so genannten OPV (operativer Plan) des MfS

Das das MfS aber anscheinend auch nicht mit allen anderen Dienststellen wie z.B. der VP (Volkspolizei) kooperierte zeigt sich darin, dass z.B. erst am 29.12.1971 die Kreisdienststelle Dresden Stadt (vermutlich das Volkspolizei-Präsidium) von meiner Flucht erfuhr und dies dem MfS mitteilte (quasi 5 Monate nach meiner Flucht)

Allerdings war das MfS in Dresden schon wenige Wochen von meiner Flucht über Spitzel in der Bundesrepublik informiert.

Dokument

M = Postüberwachung  
B = Abhörmaßnahmen 
A = ???

Das MfS versucht mich nach meiner Flucht - u.a. auch in der Bundesrepublik - aufzuklären

Ein Beobachtungsauftrag des MfS von 1973 aus den etwa 8.000 - 10.000 MfS-Dokumenten unserer Akten

Günter Knoblauch - Beobachtungsauftrag des MfS
Günter Knoblauch - Beobachtungsauftrag des MfS
Günter Knoblauch - Beobachtungsauftrag des MfS
Günter Knoblauch - Oblt. Rautenstrauch

Nach meiner Flucht 1971 - das MfS hat nie ermitteln können, wie ich die DDR verlassen habe - erhielt ich Möglichkeit im Rahmen der damals abgeschlossenen Verträge (1973) zwischen der Bundesrepublik und der DDR (Grundlagenvertrag, Verkehrsabkommen) die Einreise in die DDR. Dabei unterlag ich allerdings dem Irrtum, dass die DDR bei der Masse der Einreiseanträge einfach die Übersicht verloren habe. Hatte sie aber nicht.

Die Stasi hatte es unter Kontrolle - wie das nebenstehende Dokument zeigt.

Bemerkt habe ich die Überwachung nicht. Aber ich rechnete voll damit, dass ich komplett überwacht werden könnte und dass bei Freunden auch Telefon oder auch Räume überwacht werden könnten und dass ich auch mit IM’s (ich wußte ja nicht, wem konnte man vertrauen) in Kontakt kommen könnte.

Nach 3 Einreisen innerhalb von 4 Monaten war’s dann vorbei mit der Einreisegenehmigung.

Aus den Stasi-Dokumenten:“Während seiner Aufenthalte wurde er unter operativer Kontrolle gehalten und festgestellt, daß er einen großen Umgangskreis hat, den er systematisch negativ beeinflusst. Aus den vorgenannten Gründen wird um eine Bestätigung der Einreisesperre des K. gebeten.”

BStU-Dokument 000202

“1966 trat eine Dekonspiration ein”

Ich hatte bemerkt, dass zwei Stasi-Leute mich beobachteten. Was tun? Ich rief die VP (Volkspolizei) an und sagte: “Da sinad zwei Typen, die anscheinend einen Einbruch planen”. 5 Minuten später war die Polizei da und nahm die Beiden “fest”.

“... ist über Abt. 26 Auftrag A geschaltet, M-Kontrolle läuft und IM wurden beauftragt..”

Im Klartext heißt dies: Telefonüberwachung, Postkontrolle und alle verfügbaren IM’s werden eingesetzt.

 

 

 

 

“Lückenlose Kontrolle wärend des Aufenthaltes....”

Glöckner = Major

Rautenstrauch = Oberleutnant

Hier kommt bald eine Liste mit Rangbezeichnungen aller mir bekannten Offiziere des MfS, die mit unserem Fall zu tun hatten.

Stand der Ermittlungen über mich , Uta und unsere Freunde seit meiner Flucht 1971. Es muß ein riesiger Stab von MfS, IM’s und anderen Zuträgern aktiv gewesen sein.

Aus dem Gerichtsbeschluss / Anklageschrift von 1967: ”Der Beschuldigte hat die politisch-ökonomischen Grundlagen der DDR angegriffen und gefährdet..”

“Durch IM aus dem Operationsgebiet ...”:

Die Versuche des MfS mich in München mittels in der Bundesrepublik tätiger Informanten bei Siemens aus zu spionieren waren kümmerlich und dilettantisch.

 

Durch die Abt. 26 wurden uns bisher 272 Informationen übermittelt ...”

Das ist Deutsches Wesen: ordentlich gezählt und dokumentiert!

Hier endet die 8-jährige Arbeit von Oblt. Rautenstrauch  - ein “Lebenswerk” ist zu Ende -

Rautenstrauch - das Ende eines "Arbeitslebens"

Hier endet das Lebenswerk von Oblt. Rautenstrauch. Man muß sich vorstellen,er hat über 8 Jahre unsere Vorgänge bearbeitet. Er hat hunderte von DIN A4-Seiten gefüllt. Und dann teilte man ihm 1974 lakonisch mit, dass das MfS in Dresden die legale Ausreise meiner Frau und Sohn “abzusichern” hat. Armer Kerl, da kommt fast Mitleid auf.

Was hier nicht steht: Es kam erst ein kleiner Handzettel dem man keinem Glauben schenkte und in Berlin nachfragte, ob das echt sei.

Ein Blick zurück - vor und nach meiner Haft

Unsere - und die vieler Freunde von uns - Stasi-AktenEinige Dokumente aus der 8.000 - 10.000 Seiten umfassenden Stasi-Dokumentation. Und das sind noch nicht einmal alle Dokumente, sondern nur die, die bisher in Berlin / Dresden aufgefunden und nun zentral gelagert werden. Einige Episoden meiner DDR-Zeit fehlen derzeit noch.

Es ist unglaublich, welche Ressourcen dieser Staat DDR für die Überwachung seiner Bevölkerung aktivierte. Wenn man es volkswirtschaftlich sieht, dann musste dieser Staat doch einfach zu Grunde gehen. Überraschungen gab es für uns beim Studium der Unterlagen nicht. Diejenigen, die sich als IM hatten anwerben lassen, hatten es uns schon vorher gesagt und die Stasi hatte im Ergebnis von dieser erpressten Mitarbeit letztendlich auch keinen Nutzen.

Einen Vorteil haben die Stasi-Akten für uns: Sie sind eine unglaublich präzise Chronologie einer Zeit unseres Lebens in der DDR bzw. auch noch nach meiner Flucht in die Bundesrepublik. Die Stasi als der kleine (unanständige) Ackermann - wenn man es humorvoll sieht.

Günter Knoblauch - Operativ Vorgang  "Zwiebel"

    Operativer Vorgang “Zwiebel” - die Stasi wird auch in der Bundesrepublik tätig

Operativer Vorgang “Zwiebel” - die Stasi “forscht” nach mir auch in der Bundesrepublik.

Liste der Stasi-Offiziere deren Namen auf unseren Akten seit 1986 erscheinen - der letzte Zugriff und Eintrag ist vom Mai 1989 !
Günter Knoblauch - Stasi  Auftrag 174/71

Linkes Dokument 

Stasi Auftrag A 174 / 71

Selbst noch 1973 - 2 Jahre nach meiner Flucht in die Bundesrepublik: Die Stasi arbeitet weiter. Links einer von vielen “Aufklärungsaufträgen” aus dem Jahre 1973

Überwachung - 1969 / 1970  - nichts darf außer “Kontrolle” geraten

Günter Knoblauch - das MfS ermittelt

Nach meiner Haftentlassung 1968 unterlag ich weiterer Überwachung durch das MfS, wie die Dokumente bezeugen. Wir fanden das beim Lesen der Akten in der BStU sehr interessant, so nachzulesen, was ich am 12.08.1969 vormittags gemacht hatte.

Günter knoblauch - MfS Überwachung 2
Günter Knoblauch - 1
Guenter Knoblauch - 1

Ein für das MfS typischer Beobachtungsauftrag läuft an

Das Projekt “Der Zeitzeuge”