Stand 2008

Der Umbau an der TU Dresden

Wie der Umbau an der technischen Universität Dresden erlebt wurde, wird in einen Beitrag von Herrn Prof. Kobe, den er anlässlich der Festveranstaltung am 14. Oktober 2003 gehalten hat (175 Jahre Technische Universität Dresden) beschrieben. Quelle: S. Kobe, Der Neubeginn 1989 - Würdigung von TU-Initiativen zur Hochschulerneuerung zwischen 1989 und 1993 in Sachsen, Sammlung der Reden und Beiträge, Herausgeber: A. Post, Kanzler der TU Dresden, ISBN 3-86005-445-7 (2004) S. 46-71.
 

Rehabilitierungen

Hinsichtlich meiner Verurteilung in der DDR wurde ich schon 1972 durch den Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht München und 1993 dann auch durch das Landgericht Dresden rehabilitiert.

Die Aberkennung des akademischen Grades durch die TU Dresden aus dem Jahre 1971 wurde bereits 1972 durch den Bayerischen Staatsminister als in der Bundesrepublik nicht wirksam erklärt.

Mit Schreiben vom 21.August 2007 wurde die Rehabilitierung durch den Rektor der TU Dresden - Prof.Kokenge - ausgesprochen. In der Sache, der Unrechtmäßigkeit des Aberkennungsverfahrens, wurde eine klare Position bezogen.

Der Prozeß der Rehabilitierung durch die  TU Dresden

Auszug aus dem Schreiben an der Rektor der TU Dresden vom 27.2.2007

Sehr geehrter Herr Prof. Kokenge,

anlässlich eines Treffens der ehemaligen Kommilitonen des Studienjahrgangs 1962 der TU Dresden im Jahre 2006, wurde ich mit Aussagen konfrontiert, in denen zum Ausdruck kam, dass es Tendenzen gibt, die Vergangenheit der DDR - und im Besonderen auch innerhalb der TU Dresden (TU-Zeitung) – zu verharmlosen und nostalgisch zu verbrämen in der Art wie, es war doch damals gar nicht so schlecht und die Ernteeinsätze waren doch auch lustig … .........

................ich glaube, es ist notwendig, dass an der TU Dresden die Aufarbeitung der Vergangenheit im Hinblick auf die Opfer (Studenten, Assistenten, Professoren,..) in Angriff genommen wird.

Ich muss davon ausgehen, dass es noch weit mehr Verletzungen der Souveränität der TU Dresden durch die Einflussnahme der SED, des Ministeriums für Staatssicherheit als auch durch das Mitwirken einzelner Professoren und Angestellten in dieser Vergangenheit gegeben hat.

Ein Themenkomplex für Studienarbeiten? Für die öffentliche Auseinandersetzung in der Zeitschrift der TU Dresden?

TU Dresden -  Günter Knoblauch - Aberkennung des akademischen Grades
TU Dresden - Rehabilitation Günter Knoblauch

Ist es wirklich nötig, sich noch mit der Vergangenheit “DDR” zu befassen?

Ja , es ist notwendig ! 

Die Wochenzeitschrift FREITAG Nr. 44 vom 2. November

verfälscht meinen Leserbrief.

Ich mache Verlag und Herrn Schorlemmer darauf aufmerksam, dass sie meinen Beitrag ins Gegenteil verkehren, sie bestätigen den Erhalt meiner Mail und was passiert? Nichts passiert, keine Entschuldigung keine Korrektur

Da können die Verdienste von Herrn Schorlemmer und Verlag für Ihre Arbeit in der Vergangenheit noch so hoch bewertet werden (Anmerkung: es gibt aber auch hier sehr kritische Stimmen zu Person und Verlag), die verbalen Angriffe von Herrn Schorlemmer / Verlag gegen die in seinem Beitrag erwähnten Personen, Lesungen und Film nehmen die Täter in Schutz und verhöhnen die Opfer - wenngleich dies Verlag und Herr Schorlemmer so wohl nicht erkennen. Oder?

Vergeben und vergessen?

Die Täter sind noch unter uns und sie sind sehr aktiv. Fertige Publikationen (Aufarbeitung von Archivmaterialien der BStU) werden per einstweiliger Verfügung - ohne Anhörung der Betroffenen ! - an der Auslieferung blockiert ²).

Opfer, die die Täter als Parteimitglied der SED benennen, bekommen anwaltliche strafbewehrte Unterlassungsandrohungen zugeschickt und .....und ...... und........

²) Dr.Georg Herbstritt, BStU, Berlin, “Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage”

Link zu

“Opfer und Täter”

Es muß links richtig heisen: “Der lange Schatten der DDR”

Interessant, dieser Schreibfehler: Unbewusst wird DDR wohl immer mit dem Begriff der Staatssicherheit verknüpft bleiben.

Ich hatte die Frage gestellt, ob das Thema mit der formalen Rehabilitation meines Falles damit schon für die TU Dresden erledigt sei? Ich glaube nicht.  36 Jahre nach der Aberkennung meines Diploms und 17 Jahre nach der Wende ist eine neue Generation von Professoren und Studenten an der TU Dresden eingezogen. Die wenigen unbelasteten Professoren , die nach Überprüfung weiter ihre Lehrtätigkeit ausführten, gehen in den Ruhestand. Und es gibt inzwischen eine Vielzahl von Berichten und Dokumentationen zur Zeit des DDR-Regimes und den Verwerfungen an der TU Dresden. Hier sei besonders hingewiesen auf:

Zur personellen und strukurellen Erneuerung an der TU Dresden nach 1990,  Technische Universität Dresden, Symposium am 1.November 2001, herausgegegebn von Alfred Post, Kanzler der TU Dresden

Der Neubeginn 1989 - Würdigung von TU-Initiativen zur Hochschulerneuerung zwischen 1989 und 1993 in Sachsen,  Technische Universität Dresden, Festveranstaltung am 14.Oktober 2003

Geschichte der TU Dresden - 1828 - 2003,  R.Pommerin (3 Bände), Böhlau Verlag, 2003                                                                    

Es gab vermutlich neben Leipzig un Dresden keine weitere Universität in den neuen Bundesländern, wo so konsequent der Umbruch und Neubeginn umgesetzt wurde. Aber, es gibt auch noch Lücken in der Aufarbeitung: Wer waren die Opfer des Systems an den Universitäten?, das Einwirken von Partei (SED) und Staatssicherheit in die frühere Autonomie der Universitäten, die Korrumpierung und Erpressung von Professoren, und .......

Kleinigkeiten: Es gibt kleine Publikationen wie “Wir fahren nicht nach Drüben, wir fahren in die Rüben” - so erzählten mir mehrere ehemalige Kommilitonen / Professoren mit einer gewissen Verbitterung ob der darin enthaltenen Nostalgie. Es machte mir Mühe, dies Büchlein zu finden. Ich fand’s und hab’s gelesen:“Mit den Motorrad durch den Zeuner-Bau”, die Erzählung von Gottfried Rabe, Seite 114, das obige Zitat “Wir fahren nicht nach drüben, wir fahren in die Rüben” im Büchlein eher etwas ironisch gemeint, aber anscheinend mit einer Brisanz heute bei vielen, die das damals gar nicht so lustig fanden, das mit den Ernteeinsätzen.

Wo liegt die Kritik an diesem Büchlein? Sie liegt wohl darin, dass hier leicht nostalgisch erzählt wird, wie man im System damals (gemeint sind die eigentlich noch harmlosen 50-er und noch späten 60-er Jahre) doch noch so durchrutschen konnte und dabei noch Spaß hatte. Es fehlen die wesentlich härterer Folgejahre. Warum beziehen die Autoren eigentlich keine eigene politische Position in den Beiträgen? Ist vielleicht doch noch unterschwellig etwas Angst geblieben, etwas Falsches zu sagen? Was fehlt ist das Pendant: “Wir wollten gern nach Drüben, mußten aber in die Rüben” Und wenn wir nicht gegangen wären (in die Rüben), dann wären wir gegangen worden (übersetzt: exmatrikuliert).  Verharmlosung oder einfach nur Nostalgie? Ich warne, Aussagen dieser Art nicht ernst zu nehmen. 

Ein Wessi an der TUD wird’s nicht verstehen, aber vielen Ossis ist es aufgestoßen. Unser Sohn Henrik (eigentlich auch ein Wessi) war vor kurzem in Dresden im Kabarett  Die Herkuleskeule. Die Leute hätten öfters gelacht, ihm sei aber nicht ganz klar gewesen, warum eigentlich. Das ist, was ich mit Wessi - Ossi meine.

Am 28.10.2007 kam es auch zu einem persönlichem Gespräch mit Herrn Prof.Krocker und mir. Herr Prof.Krocker hat sein damaliges Verhalten sehr bedauert und er war bereit, bei der Aufarbeitung mitzuarbeiten.

Am 29./ 30 Oktober kam es zu Gesprächen mit dem derzeigen Dekan der Fakultat ET, Prof.Schegner; seinem Vorgänger im Amt, Prof.Lehnert, dem bisherigem Leiter der Personalüberprüfungskommission, Prof.Reibiger, dem Leiter des Archivs der TU Dresden, Dr.Lienert, dem Rektor der TU, Prof..Kokenge. Und wir alle waren uns einig: Es gibt noch Lücken zu schließen

Inzwischen gab es eine Vielzahl von weiteren Gesprächen mit Mitarbeitern der TUD, in den Gedenkstätten Bautzen und Dresden, Betroffenen und es haben sich auch Betroffene der Willkür von SED-Staat und dessen Institutionen gemeldet - auch wenn diese nicht immer in das Raster unseres Themas “Opfer der SED-Willkür an der TU Dresden” (Arbeitstitel) fallen.

Es ist unverkennbar: Die Täter von gestern werden immer aktiver. Mit dem offen erkennbaren Ziel einer Umdeutung der geschichtlichen Bewertung des Staates DDR. Es gibt zwar hunderte von Dokumentationen, die sich mit der ehemaligen DDR, deren Institutionen und Politik auseinandersetzen, was in einigen Bereichen fehlt, ist die Aufarbeitung dieser Zeit aus der Sicht der Opfer. Die Täter von damals scheuen sich nicht, die Opfer von damals zu verhöhnen und zu verklagen, wenn ihre Namen (auch ohne Schuldvorwurf) genannt werden.                                               

 

Günter Knoblauch - Zwischen Widerstand und Repression

 

Die Dokumentation ist  im Böhlau-Verlag erschienen unter dem Titel

“Zwischen Wiederstand und Repression”

Studenten der TU Dresden 1946 - 1989

Es ist dies die umfassendste Dokumentation einer Universität der ehemaligen DDR über die Zeit von 1946 - 1989.

Erst in der Aufarbeitung wird das ganze Ausmaß der Bespitzelung, Überwachung, Erpressung, Rechtsbeugung, Bedrohung sichtbar. Von der Todesstrafe bis zur Bewährung in der Industrie als Erziehungsmaßnahme reicht die Palette der Strafen gegen Studenten, Dozenten und Professoren denen man feindliche Einstellung gegenüber der DDR oder auch nur politische Unreife unterstellte. Ein Gesellschaftssystem - SED-Staat - dass zu Recht in die Geschichte als verbrecherisch eingeht. Was blieb von den Idealen des Neubeginns nach 1945?

Die Dokumentation hilft hoffentlich den ewig Gestrigen und Nostalgikern auf den Boden der Realität zurück zu finden.