Zeitzeugen über H. Johannes Wallmann

Aktualisiert Juli 2012

HfM Weimar -  Wallmann - Zeitzeugen
HfM - Ein FDJ-Sekretär sagt aus
HfM Weimar - Bürgerbüro zum fall Wallmann

Eine Aussage des ehemaligen FDJ-Sekretärs der Hochschule für Musik Weimar, die seinen Weitblick auf die Realitäten im vereinten Deutschland zeigt.

“Auf Grund meiner Tätigkeit als FDJ-Sekretär und der damit verbundenen Einblicke in hochschul-leitungsinterne Vorgänge und der damit verbundenen Einblicke in hochschulleitungsinterne Vorgänge kann ich Folgendes bezeugen: Johannes Wallmann wurde die Weiterführung seines Kompositionsstudiums 1973 aus politischen Gründen verwehrt. Die Meinung der Leitung, z.B. Prof Hartwig: Der Student Wallmann steht auf staatsfeindlichem Posten und nimmt in diesem Sinne gefährlichen Einfluss auf Kommilitonen ....

Makaber ist es, dass diese Repressalien bis in die Gegenwart und Zukunft hinein wirksam sind .........”

 R. Tietz,

Dokumente aus den Archiven der Hochschule für Musik “Franz Liszt” Weimar und

Stasi-Dokumente aus den Archiven der BStU

Wallmann Diplom mit Text
HfM Weimar - Günter Lampe - beschämendes Dokument  über die HfM Weimar
HfM - Günter Lampe - beschämendes Dokument über die HfM Weimar

H. Johannes Wallmann studierte bis 1973 an der Musikhochschule Franz Liszt Weimar. Seine Diplomarbeit reicht er 1974 ein. Nach langen Verzögerungen erhielt er im Frühjahr 1975 auf sein Drängen hin, statt des Diploms ein Staatsexamen als Zeugnis ausgehändigt.

“.....2008 findet Herr Wallmann in seiner Studentenakte u.a. auch die Kopie eines auf seinen Namen ausgestellten Diploms, dass ihm 37 Jahre zuvor nicht ausgehändigt worden war.

 

Aus den Akten geht hervor, dass der Dozent, der die Diplomarbeit damals mit der Note 1 bewertete, (Lampe) gemaßregelt wurde und man die Arbeit auf die Note 2 herunterstufte. .....”

“Probates Mittel zur Disziplinierung von nicht systemkonformen Studenten: Abwerten, Schlechtmachen, Ausgrenzen, das war die Aufgabe und das Ziel der Verantwortlichen Kader & Funktionäre auch im Bildungssystem der DDR – dazu gehörte auch die Musikhochschule Weimar. Die Vorenthaltung des Diploms ist heute als ”betrügerische Rechtswidrigkeit” zu betrachten. Die Hochschule für Musik Weimar trägt bis heute den Makel einer nicht aufgearbeiteten Vergangenheit “ (Vortrag G.K. am 15.Juni 2011, “50 Jahre Mauer”, TU Dresden)

Das nicht ausgehändigte “Diplom”

Dieses Dokument befindet sich bis heute im Archiv der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar.

Und die HfM ignoriert diesen Fakt bis heute. Ängste, dass bei einer SED-Vergangenheitsaufarbeitung noch mehr Schmutz zutage tritt ?

Die Beurteilung der Diplomarbeit

Der Dozent für Komposition, Herr Lampe, bewertet die Diplomarbeit des Studenten Wallmann mit der Note 1.

Und Lampe schreibt:

“Johannes Wallmanns vorliegende Diplomarbeit ist ein nicht zu übersehender Beitrag zu theoretischen und praktischen Problemen der zeitgenössischen Musik überhaupt und zu Problemen der Musikausbildung insbesondere.”

Die handschriftliche Anmerkung unten mit dem Kürzel Wa (Wallraf):

“Nach Rücksprache mit Kollegen Lampe

Note: < 2 Wa “

 

Das bedeutet Abwertungschlechter als Note 2

Der Dozent für Marxismus-Leninismus entscheidet über die Qualität einer Diplomarbeit !Nach mir vorliegender Information war Dr.Wallraf damals Prorektor für Studienangelegenheiten und gleichzeitig Dozent für das Fach Gesellschaftswissenschaften / Marxismus-Leninismus.

Hatte Wallraf da an entartete Kunst gedacht?

War Wallraf verantwortlich für das Beiseiteschaffen des Diploms

Wer alles im Leitungskreis der HfM wußte davon?

Wer alles hat an diesem schäbigen Spiel mitgewirkt?

Wer hat noch heute Interesse an der Vertuschung?

 

Anlage zum Prüfungsprotokoll:

Die schriftliche Anmerkung von Lampe vom 21.Mai 1974:

”3”

Man achte auf die Anführungsstriche - dies war wohl die einzige Möglichkeit des Protestes durch den Dozenten Lampe 

 

Und die Note 1 im Kreis ? - wohl der persönliche Hinweis von Lampe auf die Qualität der Arbeit

Hätte Herr Lampe nicht den auf ihn ausgeübten Druck nachgegeben, dann hätte man ihn höchstwahrscheinlich als nicht-geignet für die Ausbildung einer neuen Musikergeneration betrachtet und .....

Stand da die SED oder das Ministerium für Staatssicherheit dahinter ?

Wurde der Rektor, die Dozenten und Fachlehrer erpresst ?

Oder waren “ Dozenten” freiwillig Täter?

Ein anderer Student der HfM schreibt:

“.... meine Diplomarbeit wurde von Hartwig abgelehnt ... mit Begründungen, die jeglicher Objektivität entbehren und die mir nun endgültig zeigen, dass es hier [gemeint ist die HfM - Anmerkung G.K.]   total sinnlos ist, .....”

Kooperierten Dozenten und SED-Mitglieder der Musikhochschule Franz Liszt Weimar mit der Stasi ?

HfM - wer waren die Stasi-Informanten?
HfM - Die Stasi  und das Kampfprogramm gegen Moderne Musik

Aus den Stasi-Protokollen / BStU-Dokument 1977-82

“Durchführung von Maßnahmen zur Erarbeitung von Experteneinschätzungen zum Inhalt der von Wallmann verfassten musikalischen Werke...”

 

Waren damit Experten der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar gemeint?

Der Präsident der HfM:

“Sehr geehrter Herr Knoblauch, die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar muss sich nicht um ihre Reputation sorgen. ....”

Der Präsident der HfM: Christoph

  „Die DDR als Staat hat ihm, weil sie ihn als Künstler nicht mochte, Unrecht getan. Aber für die Hochschule muss ich die Frage nach Sichtung aller Akten entschieden verneinen.“ “Sehr geehrter Herr Knoblauch, die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar muss sich nicht um ihre Reputation sorgen. ....”

Sehr geehrter Herr Präsident, Herr Professor Stölzl, sehr geehrter Herr Professor Huschke,

wann eigentlich wird die HfM das unterschlagene Diplom Herrn Wallmann überreichen?

Ist die Zeit nicht doch langsam reif für eine weitere Aufarbeitung und die Rehabilitation der Verfolgten der SED-Willkür an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar ?

 

Es geht doch nicht nur um den Fall Wallmann !