Defekte einer Hochschulchronik
Defekte einer Hochschulchronik - 3_a
Rezensionen + Kommentare zum Buch
 
Defekte einer Hochschulchronik
Die Hochschule für Musik FRANZ LISZT in Weimar - eine Aufarbeitung
 
Eine Publikation des Mitteldeutschen Verlags mit Unterstützung des Thüringischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
- November 2017 -

Ehrhart Neubert - 1989 Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs - schreibt im Februar 2018 zum Buch eine Rezension, die  sehr nachdenklich stimmen sollte.

Das Buch ist derzeit beim Verlag vergriffen - eine Internetversion wird vorbereitet. Einzelne Exemplare sind noch mit Preisaufschlägen von 50 - 200 % über das Ausland  erhältlich

Das Buch “Defekte einer Hochschulchronik” wurde im März 2018 auf der Leipziger Buchmesse von  Christian Dietrich (Landesbeauftragter des Freistaates Thüringen zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) zusammen mit   Hildigund Neubert (2003-2013 Landesbeauftragte des Freistaates Thüringen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR)  zusammen mit Roland Mey (Autor) vorgestellt.

Link zur Buchvorstellung in Leipzig

Kommentare zum Buch
 
Gerbergasse 18 - Logo

Juni 2018

Thüringer Vierteljahresschrift für Zeitgeschichte und Politik -  Ausgabe 2/2018. Heft 87 Seiten 58/59
Dr. Martin Jander / Historiker/Journalist, Berlin
 
“[...] Die fundamentale Abrechnung beider Autoren mit Huschkes Schrift ist mehr als die Kritik an einem Fachbuch. .....”
Der ganze Beitrag in Gerbergasse 18 - 2 Seiten
Freie Universität Berlin - Forschungsverbund SED-Staat
ZdF-Redaktion
Zeitschrift des Forschungsverbund SED-Staat
Ausgabe Nr. 42/2018 - Mai 2018
 
“[...] ... Vielfältige Versuche , die Vergangenheit der Weimarer Hochschule aufzuarbeiten, scheiterten am Widerstand des verantwortlichen Personals. [...] Beide (Anm. gemeint sind der amtierende Präsident Stölz und der ehemalige Rektor Huschke) putzen an Weimar und der Reputation seiner kulturellen Institutionen. Und Weimar, jedenfalls das Bild von Weimar als historischer und hervorragender Platz deutscher und und europäischer Kultur, hat das auch nötig. Denn Weimar ist auch ein Ort der allerschlimmsten Kulturschande ....” 
Link zum ganzen Beitrag in der ZdF 42-2018
 

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Von: Ehrhart Neubert
Gesendet: Donnerstag, 8. Februar 2018
An: g.knoblauch(ad)knobi-muc.de; 'Bürgerkomitee Leipzig e.V.'

Betreff:  Günter Knoblauch und Roland Mey; Defekte einer Hochschulchronik

Die Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar – eine Aufarbeitung
Die Verfasser, Günter Knoblauch und Roland Mey, sind beide aufarbeitungspolitisch engagiert und waren selbst von Repressalien des SED-Staates betroffen. Das prägt auch den Stil des kleinen Buches, das sich als Abrechnung mit den Verantwortlichen für die geschichtliche Selbstvergewisserung und Selbstdarstellung der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar gibt. Sie haben dafür starke Argumente und Belege, die manche eifernden Äußerungen verständlich machen. Das Versagen der Hochschule, rückhaltlos die eigene Verstrickung in die Willkürakte der kommunistischen Kulturpolitik aufzuklären, bestätigt in seinem Vorwort auch Jochen Staadt vom Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität in Berlin, der selbst mit dem Thema befasst war.
Im ersten Teil des Buches rekonstruiert Günter Knoblauch den Fall des Komponisten und begabten ehemaligen Studenten der Hochschule Johannes Wallmann. Dieser damals eigenständig und kritisch auftretende Student wurde um sein Diplom gebracht und wurde in seiner Entwicklung auch im Zusammenhang mit Maßnahmen des MfS schwer behindert. Knoblauch dokumentiert ausführlich, wie sich die Hochschule nach 1990 wehrte, den Fall aufzuarbeiten und Wallmann zu seinem Recht kommen zu lassen. Vielfältige Versuche, die Vergangenheit der Weimarer Hochschule aufzuarbeiten, scheiterten am Widerstand des verantwortlichen Personals. Öffentliche Mahnungen wurden bis in die jüngste Vergangenheit falsch beantwortet oder ignoriert. Ein umfangreicher Dokumententeil belegt die Darstellung Knoblauchs.
In dem zweiten Teil des Buches zeigt Roland Mey an Beispielen die Verhaltensweisen von profitierenden Systemträgern und den benachteiligten unangepassten Studenten und Mitarbeiter der Hochschule. Zu Letzteren gehörte auch sein Bruder Gerhard Mey, dessen Fall geschildert und bewertet wird.
 
Beide Autoren arbeiten sich aber speziell und ausführlich an zwei Personen ab. Zum einen ist das Wolfram Huschke, der seit den 1960er Jahren eine vielversprechende Laufbahn an der Hochschule durchlief. Nach 1990 bezog er höchste Ämter und war von 1993 bis 2001 Rektor der Hochschule. 2006 trat er mit dem Buch "Zukunft Musik - Eine Geschichte der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar" hervor. Dieses viel beachtete institutionengeschichtliche Werk hat offensichtlich den Defekt, den die Autoren scharf kritisieren. Es ignoriert die Durchdringung der Hochschule durch das MfS, vernachlässigt die politische Einflussnahme und die Repression gegen Kritiker des SED-Systems. Entsprechende Akten, etwa die des MfS, wurden von Huschke nicht zu Rate gezogen. Huschke weiß fundamental alles über die Hochschule. Über dieses eine Thema schreibt er nichts. Ein solches Buch leistet selbstredend keinen Beitrag zur Aufarbeitung.
Die andere im Buch kritisierte Person ist der seit 2010 amtierende Präsident der Hochschule Christoph Stölzl. Dieser war 1987 von Bundeskanzler Helmut Kohl zum Generaldirektor des neuen Historischen Museums berufen worden. Er arbeitete seither in zahlreichen museologischen Projekten, die immer auch einen politischen Bezug hatten. Er ist ein Fachmann für die Ausstellung des Politischen. Zwei Jahre war er CDU-Landesvorsitzender in Berlin und hatte häufig politische Funktionen. Jetzt aber, so die Autoren, hat sich Stölzl öffentlich immer wieder gewehrt, die politische Seite der DDR-Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Hochschule hätte andere Aufgaben und er behauptete, dass die Opfer rehabilitiert seien.
Günter Knoblauch und Roland Mey liefern hinreichende Belege für die aktive Verdrängung der Kollaboration mit der Diktatur und der Ignoranz gegenüber den von Verfolgung und Ausgrenzung Betroffenen. Und es ist gewiss auffällig, dass solches so elementar in Weimar geschieht durch Huschke, der die Kontinuität der Hochschule repräsentiert und durch Stölzl, der als renommierter Historiker von außen kommt. Was haben sie gemeinsam?
 
Beide putzen an Weimar und der Reputation seiner kulturellen Institutionen. Und Weimar, jedenfalls das Bild von Weimar als historischer und hervorragender Platz deutscher und europäischer Kultur, hat das auch nötig. Denn Weimar ist auch ein Ort der allerschlimmsten Kulturschande. Buchenwald! Abgesehen von diesen antizivilisatorischen Höchstverbrechen hat Weimar eine Geschichte der Kleingeisterei. Dafür stehen der Rodin-Skandal oder die Vertreibung des Bauhauses. Künstler kamen nicht nur nach Weimar, in Weimar wurden Künstler auch verfolgt und vertrieben – auch in der DDR.
 
Doch das passt nicht zu dem überhöhten Weimarbild, das einen Selbstwert der Kunst bzw. der Musik postuliert, der sich über die sozialen und politischen Realitäten erhebt. So schwebt über der wirklichen Stadt, die Knoblauch und Mey im Blick haben, eine unpolitische Weimarfiktion in die sich Gestrige und Heutige als Besitzbürger und freiwillige Reinigungskräfte eintragen. In der Kulturhauptstadt, die entsprechend der Eigenwahrnehmung die allergrößte Kleinstadt Deutschlands ist, ist es gar nicht zu umgehen, dass sich die Gestrigen und die Heutigen auf der Straße, im Theater, im Park und im Elephant treffen. Man ist sich nahe und lächelt sich an, weil man weiß, dass ein reines Weimar Bedeutung verspricht.

Ehrhart Neubert

Ehrhart Neubert gehörte 1989 zu den Gründern des Demokratischen Aufbruches. Ab 1997 Fachbereichsleiter in der Abteilung Bildung und Forschung beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. 1998 bis 2003 ehrenamtlich im Vorstand der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Gründungsmitglied des „Bürgerbüro Berlin e. V., Verein zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur.... (G.K.)

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Von: Bernward Rothe bernward.rothe(ad) gmail.com
Gesendet: Sonntag, 28. Januar 2018
Betreff: Buch-Kommentar zu „Defekte einer Hochschulchronik“

Wie die Herren Stölzl und Altenburg bin auch ich ein "Westsozialisierter", seit 1991 in Mitteldeutschland und ich will mich im Gegensatz zu den beiden Professoren nicht in die Details der notwendigen DDR-Aufarbeitungsprobleme einmischen. Aber auch ohne tieferes Eindringen in die von den Autoren Günter Knoblauch und Roland Mey im Buch "Defekte einer Hochschulchronik" dargestellten Widersprüche bin ich mir sicher: 401 lfm nicht gesichteter DDR-Akten innerhalb der Musikhochschule in Weimar, dazu die betreffenden Akten aus Stasi- und SED-Beständen in anderen Thüringer Archiven, daran nur ein 81jähriger Rechercheur allein tätig und alles im Kontext der wiederholten Aussage des Präsidenten "Rehabilitationen abgeschlossen" - das hätte auch bei uns in der alten Bundesrepublik für eine Beate-Klarsfeld-Ohrfeige ausgereicht.

Zur Erinnerung: Frau Klarsfeld hatte am 7. November 1968 auf einem CDU-Parteitag in Berlin den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger für seine ehemalige Verstrickung in das NS-Regime öffentlich geohrfeigt.
Bernward Rothe, 06132 Halle /Saale,
Bernward Rothe war 1998-2016 Abgeordneter der SPD im Landtag von Sachsen-Anhalt, 2014-2017 Mitglied im Stadtrat von Halle (G.K.)

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Von: Johannes Wallmann [mailto:wallmann(ad) integral-art.de]
22. Januar 2018 14:04

Betreff: "Aufbruch" und “Alternative Fakten“
Brief an die rot-rot-grüne Regierungskoalition Thüringen

Auszug aus dem Brief:   […] Der an der Weimarer Musikhochschule offenbar herrschende Ungeist ist Teil eines “kapitalen Systemdefekts” der Musikwissenschaft (so Dr.Ulrich Blomann), der seit Jahrzehnten die Aufarbeitung der SED-Totalitarismus-Verstrickung auch dieser Hochschule verhindert. Er trägt dazu bei, „Alternative Fakten“ zu schaffen, die sich nicht nur auf den Geist und die Entwicklung von Musik, sondern auch auf den Geist und die Entwicklung von Demokratie und Kultur fatal auswirken. Der Erfolg der AfD ist dafür nur eines der Zeichen. Zumal es für namhafte totalitär verstrickte Musiker und Musikwissenschaftler nahezu nahtlose Übergänge von Nationalsozialismus  - Realsozialismus - zu Sozialer Marktwirtschaft gab (das Wort „sozial“ verbindet alle drei politischen Systeme, impliziert aber leider auch Sozialbestechung - wie Götz Aly es nennt), sehe ich mit großer Sorge, dass der Musikbereich in Gefahr steht, quasi zu einem „Schläfer“ neuer totalitärer Mentalitäten zu werden. Da Musik – die universellste (und für mich schönste) aller Künste – schon während Nationalsozialismus und Realsozialismus in großem Umfang zur kulturellen Bemäntelung totalitärer Verbrechen missbraucht wurde, ist es für mich als Komponist nicht hinnehmbar, dass die entsprechende Aufarbeitung unterlassen wird.

Angesichts dessen, dass es Heere von (teils hochbezahlten) Musikwissenschaftlern gibt, die diesbezüglich nahezu tatenlos blieben, ist es umso lobens- und bemerkenswerter, dass sich musikalische Laien wie Günter Knoblauch und Roland Mey dieser Aufarbeitung am Beispiel der Weimarer Musikhochschule annahmen und nun im Mitteldeutschen Verlag ihr Büchlein

„Defekte einer Hochschulchronik“ erschien.

Es untermauert zahlreiche der in diesem Schreiben sowie in unserem Buch KUNST - EINE TOCHTER DER FREIHEIT? genannten Fakten. Beiden Herren möchte ich an dieser Stelle für ihr vornehmes Engagement herzlich danken! Ebenso Herrn Christian Dietrich, dem Thüringer Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, der das Erscheinen dieser Publikation unterstützte.
H.Johannes Wallmann
www.integrale-moderne.de
 

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Von: Michael Mansion [mailto:info(a)michael-mansion.de]
Sonntag, 31. Dezember 2017
Betreff:  Defekte einer Hochschulchronik von Günter Knoblauch und Roland Mey

Die beiden Autoren lassen Wolfram Huschke in „Zukunft Musik“ zu Wort kommen, wenn er meint:„Denn wenn Herkunft Zukunft prägend beeinflusst und Wissen darüber aufklärend zu wirken und Identitätsbewusstsein zu stärken vermag, dann sollte die Antwort auf die Frage, woher man kommt, belastbar bekannt sein, um für die beiden weiteren Fragen – wer man ist und wohin man geht – eine gute Grundlage abzugeben“.
Das ist ein kluger Satz in die Richtung aller Kulturvergessenen, die aktuell Konjunktur haben, aber warum tut sich Wolfram Huschke so schwer, wenn es um die ihm unterstellten Unterlassungen aus der DDR-Zeit der Musikhochschule in Weimar geht. Wen fürchtet der Kulturbürger Huschke?
Für jemanden, der im Westdeutschland sozialisiert wurde, ist ein intimer Blick auf den vergangenen Staat DDR unmöglich. Zu sehr war man auch als ein 1943er mit der Entstehungsgeschichte der eigenen Republik und ihren Widersprüchen beschäftigt und natürlich hat auch der ebenfalls zitierte Prof. Altenburg recht, wenn er sagt, dass Zeitzeugen keine Historiker sind. Richtig, aber Zeugen sind sie allemal dann, wenn ihre Aussagen beweiskräftig sind.
Der Außenstehende Leser des Buches erkennt viele Widersprüche zwischen den Vertretern der Hochschulleitung, die Westsozialisierte sind und nichts von allem aus der Täter oder Opferperspektive erlebt haben. Zugleich stellt sich aber die Frage, warum die Opfer heute lügen sollten? Was hätten sie davon? Und was soll das moralisch gefärbte Verteilen von „Rehasummen“ durch Menschen aus dem Westen, bei denen man den Eindruck nicht los wird, dass sie sich in das Gebäude, das sie seit Jahren  nun repräsentieren, nicht all zu tief hinein schauen lassen wollen, weil da noch ein paar Leichen im Keller modern.
So weit mal hierzu und was hindert eigentlich an einem „offenen Dialog“, was unter  demokratischen Bedingungen ja so schrecklich auch nicht wäre und wir sind genötigt uns umzusehen im schönen Europa, wo er leider auch nicht statt gefunden hat, was nichts beschönigt, aber desillusioniert.
Was aber auf keinen Fall zu dulden ist, sind ausbleibende Rehabilitationen, noch nachträglich verweigerte Diplome offenbar (auch) als Folge nachträglich (1991) vernichteter Akten, was dann einem „realsozialistischen Kulturkonzept“ nicht mehr anzulasten wäre, wohl aber dem Prinzip übelster Vetternwirtschaft und.......Feigheit.
Bei den Betroffenen, von ihrem damaligen Staat zu Unrecht gemaßregelten Bürgerinnen und Bürgern, muss das wie der Nachhall von erlebter Abwertung, Ausgrenzung und Bespitzelung empfunden werden, erlebt im Ereignishorizont einer kulturschaffenden Hochschule für Musik, von der man eine diesem besonderen Genre gemäße Freiheit hätte erwarten dürfen.
Einer dieser auch noch nachträglich Gemaßregelten, der Musiker und Komponist Johannes Wallmann,  ist eine Zentralfigur der beiden Autoren und von ihm stammt das schöne Zitat:
„Gerade weil die Musik – wie die großen Komponisten es mit ihren Werken beweisen – sich dem Universellen in besonderem Maße zu nähern vemag, hat sie eine ganz besondere Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit, die für die Zukunft von Musik, aber auch für die Zukunft von Kultur überhaupt – von entscheidender Bedeutung ist“.
Es war die „Nicht-Systemkonforme-Person“, geschaffen von einer höchst arroganten Nomenklatura, die zur Selbstzerstörung des Staates DDR geführt hat. Der Rest ist Geschichte.
Michael Mansion, Wallerfangen
 

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In der vorliegenden Publikation wird u.a .über den damaligen Studenten und heutigen Komponisten, H..Johannes Wallmann, berichtet, der an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar studierte. Wallmann  hat jetzt - nach Roland Mey - auch an Minister Tiefensee geschrieben. Lesen Sie den Brief.

 

14.12.2017:  Minister Wolfgang Tiefensee an R.Mey
Erläuterung G.K.: R.Mey schreibt einen Offenen Brief an Minister Tiefensee und verweist u.a. in diesen Brief  auch auf ein Schreiben von P. Rompf an den Präsidenten der HfM. Zwei Auszüge aus dem Brief von P.Rompf: “[...] meiner Erlebnisse erwarte ich [...], aber wenigstens eine ehrliche und gründliche Aufarbeitung aller Parameter der Vergangenheit. Eine biologische Lösung + Verdrängung hinterläßt nur einen faden Nachgeschmack. Und dient nicht einer Zukunft.”
R. bekommt keine Antwort. Dieser Brief sei in der HfM nie angekommen - heißt es.  Ließ diesen Brief jemand verschwinden ? (Hier der Rompf-Brief ). 
 
Roland Mey schreibt Minister Wolfgang Tiefensee an und erhält Antwort.
 
Minister Tiefensee “Es ist also festzustellen, dass zwar das Schreiben nicht an der HfM eingegangen ist, man sich dort aber unabhängig davon sehr wohl um den Vorgang gekümmert hat bzw. noch kümmert. Darüber hinaus unterstützt die Hochschule sämtliche Bemühungen, die Vergangenheit aufzuarbeiten, nach Kräften.
Insgesamt ist festzuhalten, dass schon die vorausgegangene Prüfung der von Ihnen vorgetragenen Kritikpunkte zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit an der HfM [...] keinen Anlaß gegeben hat, die Aufarbeitung der DDR Vergangenheit an der HfM und die Bemühungen der HfM zu beanstanden.” Prof. Dr. Gottfried Meinhold von der FSU Jena ... ist mit der Aufarbeitung der HfM-DDR-Geschichte beschäftigt und erhält von der HfM alle Unterstützung.”
 
Anmerkung von G.Knoblauch:
Was für eine Herausforderung an den renommierten 81-jährigen Prof.Gottfried Meinhold !
Der Rompf-Brief ist doch nicht das Thema - höchstens ein Sandkörnchen in der HfM-Wüste.
Wenn der Präsident der HfM, Prof.Stölzl, davon spricht, dass:  “... ca 401 lfm müssen ...  einer systematischen Erforschung unterzogen werden.” (Seite 28 im Buch), dann liegt doch hier das Problem Herr Minister Tiefensee !
 
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22.12.2017 Prof. Meinold per Mail:
... mein aktuelles Forschungsthema! Es lautet: Exemplarische Fälle der Tätigkeit von inoffiziellen Mitarbeitern [der Staatssicherheit] innerhalb der Hochschulen der DDR, mit besonderer Berücksichtung der Thüringischen Hochschulen.
.... Ihr Gottfried Meinhold
 
23.12.2017 Prof. Meinhold zur Aussage von Minister Tiefensee:
Er, Professor Meinhold, habe nur einen exemplarischen (prominenten) IM-Fall aus der MuHo in Weimar in "Recherche-Arbeit": Den IM "Meiler"!            (Anmerkung G.K.: Der Fall IM Meiler ist auf Seite 110/111 im Buch geschildert)
 
Kommentar G. Knoblauch
Schäbiger geht es doch wohl nicht Herr Minister Tiefensee!
Akten und rote Vergangenheit möglichst tief im See versenken. Oder haben Sie  vor, Prof. Meinhold bei der  Erschließung der 401 lfm Akten personell durch Ihr Ministerium zu unterstützen ?  Der Ministerbrief
 

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Prof. Dr.-Ing. Jürgen Wenge
(Mitglied des Leipziger Bürgerkomitees von 1989/90)
 
"Defekte einer Hochschulchronik", Mitteldeutscher Verlag
Wer die Zukunft meistern will, muss die Vergangenheit analysieren. Und wer die Aufarbeitung vergangener Jahrzehnte verweigert oder kaschierend realisiert, der wird auch die Probleme der Gegenwart nur noch vergrößern. Den Autoren gebührt in unserer von Eigennutz und oft rücksichtslosem Karrierestreben dominierten Zeit ein großes Kompliment. Die Logik ihrer Beweisführungen einerseits und die Ignoranz dieser Beweise andererseits sind beeindruckend und zugleich erschreckend. Wegen der Trivialität der dargestellten Defekte können „unwissentliche Konstruktionen“ ausgeschlossen werden. Beim wissentlichen Ignorieren von: wenn keine Stasi-Aufarbeitung, dann keine abgeschlossene Opfer-Rehabilitation und wenn Stasi-Einfluss unberücksichtigt, dann keine wahre Zeitgeschichte, dann führt das sofort zu der Frage: Wer soll damit beschützt und vor Schaden bewahrt werden?
Die Autoren haben die Notwendigkeit der Veränderung institutioneller Verhaltensweisen im Sinne von „Kunst als Tochter der Freiheit“ (Schiller) an der Musikhochschule FRANZ LISZT Weimar dargestellt – ein abschreckendes Beispiel für andere Hochschulen. „Zukunft Musik“ wird an dieser altehrwürdigen Musikhochschule nur nach grundlegendem Positionswechsel möglich werden.
Mein Dank gilt den Autoren, dem Verlag und auch den mutigen Studenten und Mitarbeitern der Hochschule; den in diesem Buch genannten und nicht genannten aufrichtigen Menschen, die während der DDR im Widerstand gegen die SED-Vorgaben gelebt haben.
Diese Publikation soll dazu beitragen, dass es zu keiner Geschichtsklitterung kommt.
 
 

 

Thüringer Allgemeine
Diplombetrug: Buch kritisiert Musikhochschule
Autoren fordern Aufarbeitung der DDR-Zeit
Von Hanno Müller, Zentralredaktion TA, 31. März 2018, Seite 11

„[…] Jahre danach werfen die Autoren der Musikhochschule vor, sich dem Diplombetrug, der kein Einzelfall gewesen sei, bis heute nicht gestellt zu haben. Stasiakten, aus denen weitere Opfer-Namen zu erwarten seien, würden nicht aufgearbeitet. So werde die eigene Geschichte geschönt und einer Auseinandersetzung mit den politischen Zwängen und Repressionen der Zeit vor 1989 aus dem Wege gegangen.“ (Der ganze Beitrag)

 

 
LEIPZIGER INTERNET ZEITUNG - Ralf Julke - Chefredakteur
27. Dezember 2017 - Bildung - Bücher

 

Defekte einer Hochschulchronik - Warum auch eine Musikhochschule in Weimar gut daran täte, auch ihre Geschichte im 20. Jahrhundert komplett zu erzählen
So manche Universität und Hochschule im freundlich runderneuerten Osten hat sich ja in den vergangen Jahren (oft aus Jubiläumsgründen) etwas intensiver mit ihrer eigenen Geschichte beschäftigt. Oder sich eine Geschichte zugelegt, schön ruhmreich. Aber mit Löchern drin. Gerade das 20. Jahrhundert bereitet etlichen Hochschulleitungen augenscheinlich arge Zahnschmerzen. Auch in Weimar. [...] Nur ja nicht erzählen müssen, dass auch Musiker, Lehrer und Genies fehlbar sind. Dass staatliche Willkür tief in die eigentlich heiligen Strukturen der Kunst eingreifen kann, Karrieren befördert und zerstört, Forschung verhindert, Charaktere verbiegt oder gar entkernt – das alles müsste und dürfte eigentlich Thema sein. Auch in den Chroniken der Kunsthochschulen. Denn damit wird auch sichtbar gemacht, wie Diktaturen Kunst deformieren und Menschen zerrütten.......
 
Den ganzen Beitrag als pdf lesen: Defekte einer Hochschulchronik - Warum auch eine Musikhochschule ...
oder im Internet unter:
www.l-iz.de/bildung/buecher/2017/12/Warum-auch-eine-Musikhochschule-in-Weimar-gut-daran-taete-auch-ihre-Geschichte-im-20-Jahrhundert-komplett-zu-erzaehlen-201368
 
 
 
TLZ - Thüringische Landeszeitung
8. Juni 2018
Diplombetrug: Buch kritisiert Musikhochschule
Autoren fordern Aufarbeitung der DDR-Zeit
 
Weimar. Einmal mehr ist es die Geschichte des Komponisten H. Johannes Wallmann, die die Musikhochschule “Franz Liszt” einholt. Im Buch “Defekte einer Hochschulchronik” werfen die Autoren Günter Knoblauch und Roland Mey der Einrichtung vor, sie verweigere eine Aufarbeitung zweifelhafter DDR-Ereignisse. Der gebürtige Leipziger ...... 
Der ganze Beitrag